Die Tragik der Motte (2014)

Der Anblick einer Motte, die hektisch und ruhelos um eine Lampe, sei es eine simple Schreibtischlampe, eine alleinstehende Straßenlaterne oder vielleicht auch ein strahlender Kronleuchter, fliegt, wirkt auf viele Menschen so banal wie die Banalität selbst, sehen sie doch nur den verzweifelten Versuch eines niederen Lebewesens, seinen wechselwarmen Körper durch die Abwärme der Leuchten zu temperieren.
Hierbei fällt oftmals auf, dass der Nachtfalter dazu neigt, seinen Körper eng an die Lampe zu bringen, was manche von ihnen mit ihrem Leben bezahlen. In uns Menschen löst dies Verhalten Befremden aus, gleicht es doch augenscheinlich einem sinn- und zwecklosen Freitod und Gedanken über die mangelnde Intelligenz jenes verendeten Wesens steigen augenblicklich in den Köpfen auf, die sich selbst zu der höchsten aller Lebensformen erklärt haben.
Einstein war sich nicht sicher, ob das Universum endlos ist, die menschliche Dummheit ist es seiner Meinung nach schon, insofern stellt sich die Frage, ob der Mensch sich wirklich so sehr von der Motte absetzt.

Fragt man eine unendlich große Menge von Personen, welche Art von Mensch sich mottengleich nachts nicht in den wohligen Armen des Schlafes befindet, so wäre sich Einstein wahrscheinlich auch nicht sicher, ob die Menge an unterschiedlichen Antworten unendlich groß wäre.
Sicher ist, dass unweigerlich der Begriff des unglücklich Verliebten oder eines seiner Synonyme fallen würde, ist er doch jene Art von Mensch, die nachts in Gedanken versunken eben jene zu verarbeiten versucht, sei es durch das Denken selbst oder durch das Schreiben eines Textes über die versteckte Tragik einer Motte, die um das Licht herumschwirrt.

Jener unglücklich Verliebte ist es jedenfalls, der sich nach der wohligen Wärme seiner Liebsten sehnt, da nur sie es vermag in seinem, durch das vielleicht-nicht-ganz-so-endlosen Universum erkalteten Herzen eine neue Hitze zu entzünden.
Sie ist für ihn das hellste aller Lichter und wie die Motte umschwirrt er sie in seinem verzweifelten Versuch, durch ihre Zuneigung in den Genuss ihrer Wärme zu gelangen.
Dieser Versuch ist nicht von Erfolg gekrönt, da er ansonsten nicht verzweifelt und unser Liebender nicht unglücklich wäre, und anstatt durch seine Geliebte neue Wärme zu verspüren, verglüht er in ihrem Schein und landet unsanft auf dem alten Boden der Realität, welchen man mit der harten Schreibfläche eines alten, von Holzwürmern zerfressenen Schreibtisches, dem kalten Asphalt einr verlassenen Straße an einem erstaunlich kühlen Sommerabend oder dem Parkett eines heruntergekommenen Ballsaals in einem aufgegebenen Anwesen vergleichen mag.

Genau wie die Motte die Wärme der Lampe sucht der unglücklich Verliebte die Wärme der Liebe, beide finden aber nur das Leid.
Trotzdem stellt sich der Mensch über die Motte, ohne dabei zu bedenken, ob die Motte sein Treiben nicht als ebenso dumm einschätzen würde, wenn sie ihrem Sein bewusst wäre, zeigen sich doch markante Gemeinsamkeiten zwischen zumindest einigen Menschen und dem Nachtfalter.

Das ist die Tragik der Motte.




La Dispute – Rooms Of The House [LongPlay]

Cover_Rooms_of_the_House

La Dispute ist eine dieser Bands die mich von der ersten Sekunde an in ihren Bann gezogen hat. Der Post-Hardcore-Sound, eine Weiterentwicklung der Hardcore-Strömung in der Punk-Szene, war für mich zu dem Zeitpunkt etwas komplett Neues und die Vermischung der punk-typischen Wut mit komplexen Songstrukturen und anspruchsvollen Texten war etwas, dass mich mit vollkommen neuen Eindrücken zurückgelassen hat. Kein Wunder also, dass ich mir wenige Tage nachdem ich La Dispute live gesehen hatte ein Album besorgt habe.
Das alles ist jetzt mehr als ein Jahr her, und trotzdem schafft es jenes Album, Rooms Of The House, immer wieder, mich zu begeistern und am Ende etwas sprachlos gehen zu lassen. (…Weiterlesen) „La Dispute – Rooms Of The House [LongPlay]“